Flurnamen und Straßenbezeichnungen des Dorfes Veltheim
Überarbeitet und aktualisiert 2025 von Reinhold Kölling, Erstellung 1954 von Lehrer Neuhaus, aktualisiert 1964 von Lehrer Reese.
Ursprünglich verstand man unter einer Flur die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche einer Gemarkung. Später wandelte sich die Bedeutung des Wortes Flur. Die Flur ist dann die Bezeichnung für einen Teil der Gemarkung. Flurnamen in der weiteren Entwicklung sind also die Namen der einzelnen Teile eines Dorfes.
Bis 1963 gab es in Veltheim keine Straßenbezeichnungen. Alle Stätten hatten eine Nummer, die in der Reihenfolge der Entstehung der Stätten entstand. So hatte der Hof Böke im alten Hehlen (heute Bruchtal) die Nr. 1. Diese Nummer wurden schon im Urbar von 1682 für die jeweiligen Stätten verwendet. Das Veltheimer Gemeindehaus/Feuerwehrgerätehaus, welches 1929 gebaut wurde, hatte z.B. die Nr. 300. Aus den alten Nummernverzeichnissen kann man somit die Reihenfolge der Entstehung der Stätten gut nachvollziehen. Zum 1.9.1963 wurde dieses System abgeschafft und Straßennamen zugeteilt. Verantwortlich dafür war der Veltheimer Gemeinderat. Im Zuge der Gebietsreform 1973 mussten diverse Straßen anders bezeichnet werden, damit es in der Stadt Porta Westfalica nicht zu Doppelvergaben kam.
Flurnamen gab es schon weitaus länger und wurden auch schon 1682 im Urbar erwähnt. Sie entstanden aus der Notwendigkeit heraus, bestimmte Örtlichkeiten in der Gemarkung genau zu bezeichnen. Sie wurden von allen im Dorf Ansässigen im täglichen Umgang benutzt, verstanden und von Generation zu Generation weitergegeben. So erklärt es sich, dass viele Flurnamen heute nicht mehr bekanntes Sprachgut enthalten. Mit der Anlegung von Besitzverzeichnissen der einzelnen Bauern wurden Flurnamen erstmals schriftlich festgehalten und seitdem auch in Katastern und Flurkarten verwendet. Bei der schriftlichen Fixierung durch meist ortsfremde Beamte kam es bei der Übertragung ins Schriftdeutsch zu Veränderungen des Sinngehaltes, weil der ursprüngliche Sinn nicht mehr bekannt oder den Beamten fremd war. Oft wurde auch versucht, einen nicht mehr erkennbaren Sinn des alten Sprachgutes durch Klangangleichung zu finden.
Flurnamen nehmen Bezug auf Landschaftsform, Bodenbeschaffenheit und – Nutzung, Besonderheiten der Vegetation und der Tierwelt, Besitzverhältnisse, Formen und Abmessungen der Grundstücke, ehemalige Kultstätten und Bedeutung im bäuerlichen Leben des Dorfes, in Einzelfällen auch besondere Ereignisse. Nicht alle Flurnamen wurden schriftlich festgehalten. Es gibt Flurnamen, die nur im Volksmund benutzt wurden. Neue Flurnamen entstanden, alte wurden nicht mehr gebraucht.
Zu den Flurnamen im weiteren Sinne sind auch die Namen für Bäche, Teiche und andere Gewässer sowie für Wege und Straßen und einzelne Wohnplätze zu rechnen.
In Fluren nahe am Ortskern und intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen gab es mehr Flurnamen als in der nur extensiv genutzten Mark. Hin und wieder wurden Flurnamen zu Beinamen einzelner Bauern, in einigen Fällen auch zu Familiennamen.
Abschließend sei bemerkt, dass das Sammeln und Erklären von Flurnamen zu einem Einstieg in die Geschichte, besonders in die Siedlungsgeschichte des Dorfes führt. Bei der Deutung und Erklärung der Flurnamen werden viele Einzelfragen der Dorfgeschichte beantwortet, mindestens ebenso viele bleiben jedoch offen oder stellen sich neu und regen zu weiteren Nachforschungen an.
Wo es neben der amtlichen Form eine plattdeutsche Form der Flurnamen gibt, werden beide Versionen angeführt.
Auf dem Acker - Up’n Ake – Akstraße
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Ake ist ein mittelniederdeutsches Wort für ein über einen Weg schießende Ackerfläche. Die Flurbezeichnung „Auf dem Acker“ (in Veltheim das Gebiet um die Akstraße herum) ist eine fehlerhafte, sinnentstellende Übersetzung des plattdeutschen „Up’n Ake“. Damalige Eigentümer: Böke 39, Voth 16, Tellermann 5, Ehlebrecht 10.
Es ist möglich, dass die heutige Akstraße etwa dem alten Weg entspricht, der hier über den Acker schnitt. Später kam die Bahnlinie, die durch diese Flur führt.
Albrein - Up de Albrein - Albreite
Im Volksmund so bezeichnet. Dieser Flurname war nur im Volksmund bekannt und die Bedeutung ist zweifelhaft, kommt aber wohl von altniederdeutsch „olie = Sumpf“; Albrein, demnach Sumpfbreite. Eigentümer früher: Voth 22. Der Flurname wurde später nicht mehr genutzt.
Alsker – Im Alsker
Im Volksmund so bezeichnet. Dieser Flurname war nur im Volksmund bekannt und die Bedeutung und Ursprung ist ungewiss. Einige Hofstellen, Wiesen und Gärten. Eigentümer früher: Buhmeier 36, Diestelhorst 13. Heute der Name einer Straße.
Basenberg - Basenbarg
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Der Basenberg ist ein südöstlicher Ausläufer des Bokshorn. „Basen“ kann zurückgehen auf das mittelniederdeutsche Wort „Barsen“, dass eine kleine Geschützart bezeichnet. Der Lage nach ist es denkbar, dass der Basenberg bei den im Mittelalter häufigen Streitigkeiten zwischen dem Bistum Minden und dem Fürstentum Lippe die Stellung der „Barsen“ (Geschütze) gewesen ist. Frühere Eigentümer der Ländereien: Voth 22, Glammeier 69, Temme 43, Huck 66. Heute in den Randbereichen private Bebauung, im oberen Bereich ist ein Bodendenkmal eingetragen, da in dem Gebiet Altertumsfunde gemacht wurden.
Bienengarten – Immegoren - Immengarten
Im Kataster von 1866 verzeichnet, Der „Immegoren“ war der Obstgarten und die unmittelbare Umgebung eines kleinen Kotten. Der frühere Besitzer hat in größerem Umfang Bienenzucht betrieben. Zur Unterscheidung von mehreren anderen Trägern des Namen Vauth wurde der Eigentümer des Kotten „Imme-Vauth“ genannt, Damalige Eigentümer der Flur: Vauth 60 (Imme-Vauth), Böke 39
Brinkborn – früher Buschweg
Der Weg vom Brinkborn (Quelle) bis zur Kirche heißt seit 1973 Brinkborn. Von 1963 bis 1973 war es der Buschweg. Der frühere Buschweg führte bis zur Verkoppelung ca. 1890 direkt unterhalb des Brinkborns in das alte Dorf, also ca. 100 m weiter westlich als die heutige Straße, die höher gelegt wurde als der alte Buschweg, so dass bei Weserhochwasser keine Überschwemmungen geschahen und der Kirchgang möglich war. Ein Teil der alten Böschung ist heute noch in der Weide des Bauern Voth 16 zu erkennen. Erklärung Brinkborn siehe dort,
Im Bruch - In’n Brauke – Bruchtal
Im Kataster von 1866 verzeichnet. „Das Bruch“ ist eine tiefliegende, von Brackwasser und Lachen durchzogene Fläche. Die „Suren Wiske“ und der „Moratz“ liegen in unmittelbarer Nähe des Bruchs. Frühere Eigentümer: Böke 1, Tebbe 2, Tebbe 17, und Nottmeier 98. Im Sprachgebrauch wird unter Bruch immer das Hehler Bruch verstanden. „Hehlen“ wird besonders beschrieben. Bruchartiges Gelände findet sich am Fuße des Wesergebirges und von Eiszeitablagerungen häufig in unserer Gegend.
Auf den Blöcken - Up’n Blöcken
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Diese Flur mit dieser Bezeichnung liegt zwischen dem Heuweg und der Werderschlagd.
Ein Block ist ein mit einem Graben oder einem Zaun umgebender Acker, oft auch ein höher. oder tiefer liegender Acker. Der Volksmund hat noch eine andere Erklärung für diesen Namen. Danach soll Blöcken durch falsche Schreibung aus „blöken“ entstanden sein. Bis in die 90ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts soll das Gut Haddenhausen bei Minden die „Gerechtsame“ der Schafweide auf dieser Flur gehabt haben. Da der Flurname „Auf den Blöcken“ in gleicher Weise aber häufiger in Westfalen und Lippe vorkommt, scheint aber die erste Erklärung zuzutreffen. Eigentümer Pahl 9, Kirchengemeinde Veltheim (Pfarrland).
Auf den Breden - Up de Brein - Brede
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Brede ist die Flurbezeichnung des Ackerlandes rechts und links der Kreisstraße Veltheim - Möllbergen. Brede = Breite. Brede ist ein Acker, Weide oder Wald, das im Verhältnis zur Länge sehr breit ist. Eigentümer früher: Siemonsmeier 3, Böke 39, Schöttker 121. Die heutige Kreisstraße war zunächst die:
Bredenstraße - später Möllberger Str. - heute Ravensberger Str.
Die „Bredenstraße“ war bis zur Verkoppelung die Straße vom Veltheimer Dorf nach Möllbergen. Nach dem Ausbau der Chaussee wurde es die Möllberger Str. Seit 1973 ist dieses Straßenstück ein Teil der Ravensberger Str. Eine Seitenstraße der Ravensberger Str. (früherer Landweg) erhielt später nach weiterer Bebauung den Namen „Brede“.
Brinkborn
Born (Quelle) am Brink, am Südabhang des Bokshorn (der Berg war früher 124 m ü. NN hoch- jetzt abgegraben). Die gefasste Quelle wurde früher von den Frauen zum Wäschespülen genutzt. Sie fuhren die Wäsche mit dem Handwagen zur Quelle und spülten dort. Bei der Quellfassung wurde im oberen Bereich ein Wasserbecken für Löschwasser für die Feuerwehr geschaffen.
Brinkborn und Robert-Franke-Straße
Durch den geplanten, allerdings seit Jahren verschobenen, Ausbau der Ravensberger Straße rückt besonders die Anbindung der Robert-Franke-Straße und der „Brinkborn“ am unteren Ende in den Blickpunkt.
Im Jahre 1925 beschloss der Rat der damaligen Gemeinde Veltheim unter dem damaligen Bürgermeister Wilhelm Stockmann, die jetzige Robert-Franke-Straße mit Unterstützung der Kiesgrube Bokshorn vom Bahnübergang bis an die Veltheimer Straße dem Verkehr entsprechend auszubauen.
Der schon vorhandene Weg, genannt der „Tiefe Weg“ oder im Volksmund „Dä deipe Weg“ genannt, war übersät mit Schlaglöchern und dicken Steinen.
Das Regenwasser hatte Querrinnen eingespült und verschiedenen Stellen war der Weg so schmal, dass Fuhrwerke nicht aneinander vorbeikamen.
Es gelang der Gemeinde, den durch das Abbaugelände führenden Wirtschaftsweg der Landwirte: Voth Nr. 22, Peetz Nr. 55, Luhmann Nr. 37 und Buschmann Nr. 42 an die Kiesgrube Bokshorn abzugeben. Bedingung war, dass die Kiesgrube sich an dem Ausbau der neuen Straße zu beteiligen hatte. Dafür erhielt diese Straße dann auch den Namen des Firmenchefs Robert Franke!
Beim Ausbau der Kurve vom Bahnübergang am vorhandenen Kriegerdenkmal vorbei mussten gewaltige Erdmassen bewegt werden. Während der Erdarbeiten setze sich eines Tages der Berg in Bewegung und drückte über Nacht Erdmassen über das zweigleisige Bahngelände bis in die Weide des Landwirts Voth Nr. 16.
Der Eisenbahnverkehr war einige Tage unterbrochen. Durch das Rammen von Spundbohlen konnte dann dem Druck standgehalten werden. Um solche Rutsche für die Zukunft zu vermeiden, errichtete man eine einen Meter dicke Betonmauer, die zum Teil fünf – sechs Meter Höhe aufweist.
Auch dem Quellwasser, welches schon immer an dieser Stelle aus dem Bokshornberg austrat, musste man Abflussmöglichkeiten bieten. Und so entschloss sich der Rat der Gemeinde an der neu erbauten Mauer ein großes Becken anzubauen. Der Quellaustritte wurde eingefasst und durch einen angebauten Löwenkopf aus Beton strömte nun das Quellwasser aus dem Rachen in das neu erbaute Becken. Der „Brinkborn“ war gerettet und bis heute spendet die Quelle frisches Quellwasser. Den Löwenkopf hatte der Fährmann Fritz Huck zuvor auf dem Grund der Weser gesichtet und dann an Land gezogen. Am „Brinkborn“ fand er eine gute Verwendung.
Das neue Quellbecken diente den Veltheimer Frauen oft zum Spülen ihrer Wäsche. Veltheimer Bauern nutzten das klare Wasser aus der Quelle für ihre Betriebe. Oberhalb der Mauer hinter der Quellfassung wurde ein Rückhaltebecken gebaut, welches rd. 8000 Liter Wasser speichern konnte. Dieses diente als Löschwasser bei Bränden. Verpflichtete Bauern fuhren dann mit einem Jauchefass zum Becken und lieferten der Freiwilligen Feuerwehr das Löschwasser.
Die „Brinkbornquelle“, die in all den Jahren auch trotz stärkster Dürre nicht versiegte, gehört mit zum Veltheimer Ortsbild. Leider ist sie im derzeitigen Zustand nicht mehr die „Schönheit des Dorfes“, als was sie immer bezeichnet wurde. Das soll sie nach Vorstellungen der Veltheimer Dorfgemeinschaft nach dem Ausbau der Ravensberger Straße auf jeden Fall wieder werden.
Auch die 1925 erbaute Stützmauer macht keinen guten Eindruck mehr. Die Veltheimer hoffen, dass nach der Sanierung und dem Ausbau der Straße wieder ein sehenswerter Abschluss der Robert-Franke-Straße entsteht.
Bockshorn (frühere Schreibweise mit ck) – Bokshorn
IM Kataster von 1866 verzeichnet. Der Bokshorn war eine bewaldete Kiesanschüttung (Endmoräne) aus der Eiszeit (124 m üNN bzw. 74 Meter über dem Talboden) mitten in der Gemarkung Veltheim. Der Kies wurde durch das „Kieswerk Bokshorn“ abgebaut.
(Horn = Spitze, Höhe; Bock = Buckel, rundliche Erhöhung). Eigentümer August und Heinrich Franke 227 und die Firma „Kiesgrube Bokshorn“.
Über die Deutung des Namens gibt es weitere interessante Details, die im nachfolgenden Aufsatz niedergelegt sind.
Der Bokshornberg in Veltheim - War er Zeuge der Schlacht von Idistaviso?
Am 28.6.1942 schrieb ein K.J. Carlowitz einen interessanten Vermerk über den Veltheimer Bokshornberg, der hier in ungekürzter Fassung wiedergegeben wird.
„Steil erhebt sich oberhalb des Bahnhofs Veltheim der Bockshorn. Der Bockshorn ist eine bewaldete Kiesanschüttung (Erdmoräne) aus der Eiszeit, deren höchster Punkt (124 m üNN) mitten im Gebiet der Veltheimer Gemarkung liegt. Der Kies des Bockhorn wird durch ein Kieswerk der Firma Franke abgebaut. Gleich hinter dem Geschäftshaus der Firma Franke geht es steil hinan zu einer Grube, die man mit dem Kessel eines großen erloschenen Vulkans oder der Einschlagstelle eines Riesenmeteors vergleichen kann.
Jahrelanger Fleiß seit 1882 arbeitsamer Menschen hat diese Grube geschaffen, die mancherlei nützliche Dinge liefert. Bausand, groben und feinen Kies, Splitt und Lehm zu Backsteinen. Der oben auf dem Grubenwänden noch vorhandene Waldrest zeugt davon, dass die vollständige ehemalige Kuppe ganz mit Wald überzogen war.
Was bedeutet der Name „Bockshorn“? Horn heißt Spitze, Höhe; bocks heißt Buckel, rundliche Erhöhung. Der Forscher Prietze schreibt: „Horn und Hohn sind alte Worte für Anhöhe.“ Die Bezeichnung Horn für sich scheint noch nähere Beziehungen zur Thingstätte (Thingstätten = historische Stätten, wo Volks- und Gerichtsversammlungen nach altem germanischem Recht abgehalten wurden) gehabtzuhaben. „Bockshorn“ im Besonderen ist nach „Andrees Braunschweiger Landeskunde“ ein im Harz häufiger Flurname, der mit den Osterfeuern in Verbindung steht. Man sagt geradezu für Osterfeuer „Bockshorn“, und der Ausdruck: „Lasst euch nicht ins Bockshorn jagen“ soll darauf zurückgehen, dass man junge Burschen und Mädchen durchs Osterfeuer jagte. „Dass man es hier also mit alten Thingstätten zu tun hat, kann kaum zweifelhaft sein.“
Die Lage des Bockshorn lässt seine frühere Benutzung als Thingstätte als möglich erscheinen. Jellinghaus spricht in seiner Arbeit über die Westfälischen Ortsnamen die Vermutung aus, dass das Gebiet zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge in Zeiten erster Besiedlung als heiliger Bannkreis betrachtet wurde. Anderen Forschern fällt auf, dass der Rand dieses Bannkreises in seinen Flurnamen auffallend viel Hinweise auf ehemalige Thingstätten haben. Sollte der Bockshorn in Veltheim eine dieser Thingstätten am Rande des Bannkreises sein?
Da beim Kiesabbau auf dem Bockshorn verschiedentlich Gebrauchsgegenstände und Waffen aus der germanischen Zeit gefunden wurden, erscheint es als gerechtfertigt, den Namen „Bockshorn“ auf eine frühere Thingstätte zurückzuführen.
Der Volksmund hat für die Entstehung des Namens „Bockhorn“ noch eine andere Erklärung. Früher wurden auf dem „Bockshorn“ sehr viel Eichen geschlagen. Die Eichenrinde wurde zum Gerben verwandt. Sie wurde damals durch Schlagen (plattdeutsch: boken oder burjaken) vom Stamm entfernt. Arbeitspausen wurden für die Holzarbeiter, die Boker, durch Blasen eines aus Rinde angefertigten Hornes, des Bokerhorns“ angekündigt. Von diesem Bokerhorn, das überall im Dorf zu hören war, soll der Bockshorn seinen Namen bekommen haben.
Aber die Geschichte dieses Bockshorn bei Veltheim ist viel älter als der Name. Vielleicht mag diese Höhe Zeuge der Idistaviso-Schlacht im Jahre 16 n. Chr. gewesen sein, denn es gibt kein Gelände an der Weser wie hier zwischen Eisbergen, Veltheim, Möllbergen und Vlotho, das den Ortsangaben der römischen Historiker so entspricht. „Prominentia Montium“, so heißt es in den römischen Berichten erwähnte Hügelreihe, die dem Gebirge vorgelagert ist, ist hier von Eisbergen nach der Porta besonders deutlich, und die hohen kiesigen Ufer der Weser, die den Cheruskern verhängnisvoll wurden, sind auch vorhanden. Die Ebene in die Germanikus seine Legionen hinabführte, liegt ostwärts von Veltheim. Noch heute führt die Straße von Lohfeld hinabwärts nach Eisbergen, in welchem Namen man das Grundwort „Edisberum“ findet, das mit dem Worte „Idistavisus“ verwandt sein soll, indem es soviel wie „Idisenhain“ bedeutet. Davor lag das Kampffeld, die Idisenwiese (Walkürenwiese). „Zum hilligen Pad“ heißt heute noch eine Flurbezeichnung in dem Dorfe Eisbergen.“
Soweit dieser Vermerk von Carlowitz in originaler Schreibweise.
Idistaviso (nach Wikipedia)
Das Idistaviso-Feld oder idistavisische Feld ist ein bei Tacitus (Annalen 2, 16) erwähnter Ort, an dem der römische General Germanicus im Jahr 16 die Chrerusker unter Arminius zurückgeschlagen hat. Das Feld sei zwischen der Weser und einer Hügelkette gelegen. Wo genau dies gewesen sein mag, ist nicht mit letzter Sicherheit festzustellen. Schmidt (1862) und Mommsen (1904) vermuten das Schlachtfeld in der Gegend von Bückeburg, Hans Dobbertin (1983) bei Evensen.
Pfarrer Niemann schrieb in seiner Ausarbeitung zur Kirchengemeinde Veltheim auf Seite 3 davon, dass Germanicus nach den blutigen Schlachten bei Idistaviso (von vielen zwischen Veltheim und Eisbergen) vermutet und am Agraviererwall stromabwärts (etwa am Steinhunder Meer) weitere Vorstöße in das innere Germaniens aufgab.
Boksköppen - früher Bocksköppen
Im Volksmund erwähnt. Boksköppen ist ein von Köppen (Köpfen) durchsetztes Gelände westlich des Sprengelweges. Bocksköppe = Buchenköppe, Buchenköpfe (siehe auch Bokshorn).
Die Flur war früher ein nicht besiedeltes Gebiet und wurde ab 1971 ein Bau- und Siedlungsgebiet und ist heute auch ein Straßenname.
Auf der Bult - Up de Bult – Bult
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Das althochdeutsche Wort „bult“ oder „buhilt“ ist die Bezeichnung für kleinere Hügel. Die in der Wesertalebene gelegene Bult liegt etwa zwei Meter höher als das umgebende Land. Mit dem Bereich „In’n Dörpe“ scheint dieser Bereich einen der früheren Siedlungskerne zu bilden. Bei den gro0en Hochwasserkatastrophen in den Frühjahren 1946 und 1947 ragten beide Bereiche wie Inseln aus den Überschwemmungen heraus. Damalige Eigentümer: Kütemeier 20, Huck 19, Pfarrland Kirchengemeinde Veltheim. Dieser Flurname ist auch in anderen Ortschaften zu finden.
Dreiske Kämpe
Im Volksmund erwähnt. Dreisk ist die plattdeutsche Form des Wortes Dreesch. Bei der Bewirtschaftung nah dem Dreeschsystem folgt nach etwa 6-jähriger Getreideanbauperiode eine ebenso lange Zeit der Brache. Der Acker bekommt eine Grasnarbe und wird als Viehweide genutzt. Das o.g. Flurstück wird nach einer solchen Brachzeit nicht mehr beackert worden sein. Frühere Eigentümer: Glammeier 52, Meier 33
Driftenstraße - Dorfstraße
Im Volksmund erwähnt. Driftenstraße hieß bis 1973 nur der westliche Teil der heutigen Driftenstraße (etwa vom Bahnübergang am früheren Bahnhof bis zum Heuweg). Der weitere Teil der Straße hieß damals Dorfstraße. Erst 1973 wurde die gesamte Straße zur Driftenstraße. Bedeutung: Drift = Trift = Treiben des Viehs zur Weide.
Von der früheren Driftenstraße zweigt ein schmaler Fußweg zwischen den Höfen Vauth (Ehlebracht) 10 und Böke 39 ab. Diesen nannte der Volksmund:
Kirchweg oder auch der „Lütsche Weg“
Dieser Weg wurde von den Veltheimern als Abkürzung zur Kirche genommen. Dieser Fußweg ist noch vorhanden.
Im Düstern Grund
Im Kataster von 1866 wird dieses Flurstück im späteren Kiesgrubengelände genannt. Ein Weg (Deipe Weg) und das Flurstück werden später abgegraben. Der „Deipe Weg“ wird durch den Bau der Robert-Franke-Straße ersetzt. Damalige Eigentümer: Gebrüder Franke (Kiesgrube) Temme 43, Krüger 70.
Bau der Robert-Franke-Straße:
Im Jahre 1925 beschloss der Rat der damaligen Gemeinde Veltheim unter dem damaligen Bürgermeister Wilhelm Stockmann, die jetzige Robert-Franke-Straße mit Unterstützung der Kiesgrube Bokshorn vom Bahnübergang bis an die Veltheimer Straße dem Verkehr entsprechend auszubauen.
Der schon vorhandene Weg, genannt der „Tiefe Weg“ oder im Volksmund „Dä deipe Weg“, war übersät mit Schlaglöchern und dicken Steinen.
Das Regenwasser hatte Querrinnen eingespült und verschiedenen Stellen war der Weg so schmal, dass Fuhrwerke nicht aneinander vorbeikamen.
Es gelang der Gemeinde, dass die Landwirte den durch das Abbaugelände führenden Wirtschaftsweg (Voth Nr. 22, Peetz Nr. 55, Luhmann Nr. 37 und Buschmann Nr. 42) an die Kiesgrube Bokshorn abgaben. Bedingung war, dass die Kiesgrube sich an dem Ausbau der neuen Straße zu beteiligen hatte. Dafür erhielt diese Straße dann auch den Namen des damaligen Firmenchefs Robert Franke.
Eckernbrink
Im Volksmund genannt. Ein kleines Gehölz (welches später gerodet wurde), mitten im angebauten Felde ist der letzte Rest des Buchenwaldes auf dem Eckernbrink. Eigentümer Müller 80 u. Reese 104. Es handelt sich um den Acker südlich vom Vossbrink (heute Abgrabungsgelände der Fa. Müller).
Eckergoren - Eckerngarten
Im Volksmund genannt. Der Eckerngarten (Bedeutung: Bucheckerngarten) ist die unmittelbare Umgebung der Stätten Tebbe 2 und Tebbe 17 im Bruchtal, dem früheren Hehlen.
Im Eikhowe - Eichenhof
Im Volksmund genannt. Diese Flurbezeichnung kennzeichnete nur einen etwas größeren Hofraum einer landwirtschaftlichen Stätte im unteren Dorf zwischen Dorfstraße und Weser (hinter der Gaststätte). Der Volksmund nannte den Bereich so, weil dort früher zahlreiche Eichen auf der Hofstätte standen. Eigentümer: Stucke (Stuke) 4, später Mundt.
In den faulen Kämpen - In’n suren Wisken
Im Kataster von 1866 bezeichnet, lag dieses Flurstück in der Nähe des Bruches an der Grenze zu Eisbergen, Es ist heute größtenteils abgegraben und ein Teich ist entstanden. Eigentümer damals: Tebbe 2, Tebbe 17, Böke 24.
Fillkuhle
Im Volksmund genannt. Die Fillkuhle war eine in der Nähe des Gehöftes Buhmeier 30 liegende muldenartige Vertiefung. Die Fillkuhle war der Schindacker, auf dem verendetes Vieh vergraben und vorher „gefillt = Fell abgezogen) wurde. Diese lag südlich des genannten Gehöftes am Wege, der von der Ecke Driftenstraße/ Heuweg zur Weser führte.
Gemeinheit - Mainhat
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Dieses Flurstück, gelegen an der Weser (bei der Werder Schlagd) war damals Gemeindebesitz. Zuvor war es gemeinsamer Besitz der Markgenossenschaft. Der Name erinnert an die Allmende. (Allmende bedeutet = der gemeinsame Teil der Gemarkung, welcher vom allmendeberechtigten Hofstellen zu Viehtrieb und Holznutzung benutzt werden durfte, nach Sondervereinbarung auch von Nichtberechtigten.
Gosebeuken - Gänsebach
Im Volksmund so bezeichneter Landweg, welcher von Freding 34 bis zum Bahnübergang bei Mohme 222 führte. Heute wird die später ausgebaute Straße „Zur Veltheimer Fähre“ bezeichnet, zuvor von 1963 bis 1973 war es die Fährstraße. Der Gänsebach querte den Landweg und führte in Pooks Wiese (Wisk).
Grandkuhlen - Bi de Grandkuhlen (Bei den Grandkuhlen)
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Grand = Kies. Es gab Grandkuhlen im Gemeindebesitz, aus denen die Gemeinde für die Ausbesserung der Wege Grand entnahm. Auch Einwohner konnten bei Bedarf Grand holen. Noch bei der Verkoppelung 1890 wurden von der Gemeinde zwei Grandkuhlen ausgewiesen und zwar an der heutigen Robert-Franke-str. (da wo des ehemalige Feuerwehrgeräte- und Gemeindehaus 1929 gebaut wurde und in der Nähe der Bockmühle. Zuvor gab es weitere kleine Grandkuhlen z. b. am Kahlen Brink, wo heute eine kleine Siedlung besteht. Nach der Gründung der Kiesgrube Bokshorn war die Ausbeutung dieser kleinen Gruben nicht mehr lohnend.
Grundkamp
Nur im Volksmund bekannt; kein offizieller Flurname (im Kataster von 1866 nicht erwähnt). Kamp = Acker, Wiese; Grund = im Tal. Dieses Stück lag an der Grenze zur Flur „Schierholz“ und auf diesem Acker mit Hoffläche lag die Stätte Tenge 136. Diese Stätte wurde wg. der Abgrabung der Fa. Edler- Sand aufgegeben und das als Grundkamp bezeichnete Stück wurde abgegraben.
Hacksiek (Im Hacksiek)
Siek=feuchte Niederung, oft auch kleines schmales Tal mit Bach bzw. Rinnsal. Hack = ungewiss, kann eine Nebenform von Hackel = Waldzunge sein. Im Kataster von 1866 vorhanden. Das Hacksiek ist der nördlichste Zipfel der Veltheimer Gemarkung in der Veltheimer Mark und greift in Hausberger Gebiet über. Grenzt auch an die Gemarkung Lohfeld. Damalige Eigentümer Vieregge 18, Huck 19, Kütemeier 20. Wurde später bebaut. Die drei Häuser an der rechten Seite der heutigen Straße Hacksiek gehören also zu Veltheim.
Heidgrund - Hadgrund
Der Hadgrund (heute Heidgrund) ist von älteren Veltheimer Bürgern noch als eine mit Heide, Gebüsch und Gesträuch bestandene Niederung bekannt. Nach dem früheren Eigentümer auch „Hinnerk Hucks Hade“ genannt. Spätere Eigentümer Bödeker 246 und Kuhlmann 90. Heute auch ein Straßenname. In älteren Flurkarten wurde das Gehöft Nr. 90 (heute Mariß) auch als „Heidgründer“ bezeichnet.
Haugrund (Im neuen Haugrund)
Der Flurname nimmt Bezug auf die Rodungstätigkeit unserer Vorfahren. Ähnliche Flurnamen sind in unserer Gegend häufiger anzutreffen. Dieser Name erinnert an die Rodungen in der Mark, hier in der Veltheimer Mark, wo schon früh im Wald Ackerflächen geschaffen wurden. Im Kataster 1866 vorhanden, wurde dann später durch die Autobahn durchschnitten. Damalige Eigentümer Siemon 49, Glammeier 69, heute z. T. Abgrabungsgebiet der Fa. Müller; Autobahnauffahrt Veltheim.
Heckerfeld
Der Heckerfeld genannte Teil dieser Flur war bis etwa 1895 im Besitz des Bauern Hecker Nr. 8. Der Heckerhof wurde dann in kleinen Teilen verkauft und auf dem Heckerfeld (bis dahin Hofraum, Garten und Acker) entstanden mehrere Kotten und Arbeiterhäuser, insgesamt 13 an der Zahl (z. B. Nagel 225, Schmiede Behning Nr. 154, Schlachterei Beßler, Mosterei Nehrmann etc.). Reste des alten Bauernhauses Hecker Nr. 8 waren bis etwa 1955 noch vorhanden, dann wurde das frühere Bauernhaus vollkommen umgebaut. Heute ist Heckerfeld ein Straßenname.
Hehler Bruch - Häler Brauk
Im Kataster von 1866 so verzeichnet. Der Name erinnert an das im Mittelalter „wüst“ gewordene Dorf Helen (Hehlen). In einem Grenzprotokoll des Gogerichtes „Sieben Eiken – Sieben Eichen“ bei Veltheim von 1562 wurde das Dorf noch erwähnt. Es handelte sich wohl um eine Scheinwüstung, da Wohnstätten nur zum Teil aufgegeben wurden, Ackerland jedoch erhalten blieb und Stätten um ca. 1500 zu Veltheim gelegt wurden (das Gebiet des heutigen Bruchtals). Das alte Dorf bestand aus sechs bis acht Stätten. Hehlen (Helen) bedeutet verstecken, also das versteckt gelegene Dorf. Diese Deutung trifft hier zu, da das Dorf von alten Waldbeständen umgeben war.
Hehler Feld, Hehler Kämpe, Häler Felde
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Diese Flächen gehörten mit zu Hehlen. Damalige Eigentumsverhältnisse: Tellermann 12, Tebbe 2, Vieregge 18, Voth 22, Stolze 130. Die Hehler Kämpe (z. T. sehr feucht) zieht sich bis zur Veltheimer Straße hin.
Harms Graben
Acker und Holzung an der Grenze zu Lohfeld, angrenzend an Heidgrund. Eigentümer: Hohmeier, Lohfeld, bezeichnet auch den Wasserlauf, der durch das Gebiet verläuft. Harm = plattdeutsche Form von Hermann.
Herrenwiese (Herrenwisk)
Diese Flur war bis zur Verkoppelung im Eigentum des Freiherrn von Schellersheim in Holzhausen (Kreckenhof). Dieses Flurstück liegt unterhalb der Brede (nähe Kraftwerksgelände). Später sind viele Teile der Flur verkauft bzw. verpachtet worden.
Heuweg - An’n Hawege (Auf dem Heuwege)
Im Kataster von 1866 so erwähnt. Der Heuweg führte von der Schule Veltheim I bis zum Bahnhof Möllbergen. Vor der Verkoppelung verlief dieser etwa 100 Meter weiter nördlich. Reste des alten Heuwegs waren in dem Privatweg des Bauern Stuke 4 noch lange zu erkennen. Dieser Weg führte zu den Wiesen, zum Heu und war damals noch unbegradigt. In alten Wegebauberichten früher z. T. auch Vlothoer Weg genannt. Im Kataster aber Heuweg. Heute ist der Heuweg eine Fahrradstraße und wichtiger Bestandteil des Weserradweges.
Holbrede – Holtbrede - Holtbrein
Im Kataster von 1866 so verzeichnet, und zwar getrennt: Holbrein und Holtbrein. Die Flur Holbrein gehörte früher zur Stätte Tebbe 2 – später zu Korff 288.
Die Flur Holtbrein gehörte früher zu Hecker Nr. 8 – später zum Anwesen Hohmeier 125 (genannt Holtbrenner)
Nach 1955 fanden auf der Holbrede (heute Straßennamen) In Höhe der Stätte Nolting u. Brinkmeier häufig die damals beliebten Kranzreitveranstaltungen statt.
Hölkeböhm - Vor den Höltgebäum - Hölscheböm
Im Kataster von 1866 vorhanden. Damalige Eigentümer Lohnsmeier 26, Siemonsmeier 190, Autobahnveraltung (Austauschgelände). Hölscheböhm ist das plattdeutsche Wort für Holzapfelbäume. Wie in vielen anderen Fällen nimmt auch hier der Flurname Bezug au auffällige Bäume und Pflanzen, die entweder das Wahrzeichen der Flur waren oder den Charakter der Flur bestimmten. Später entstand hier eine kleine Ansiedlung, heute auch Straßenname.
Hofe – Am Hofe
Im Kataster von 1866 verzeichnet, damalige Eigentümer Voth 84, Siemonsmeier 14. Diese im Volksmund nicht bekannte Flur liegt südwestlich des Hehler Bruchs in der Umgebung der Stätte Siemeonsmeier Nr. 14 (alter Beiname des Besitzers Schilling). Bei Ausgrabungen auf dem Gelände des Hofes fand man 1909 ein Gräberfeld mit reichen Grabbeigaben aus dem 2. Und 3. Jahrhundert, die beweisen, dass es sich um den Hof eines germanischen Edelings gehandelt haben muss. Aus dem 13. Jahrhundert sind Angehörige eines Ministerialengeschlechts derer „de Veltheim“ bekannt.
Auf jeden Fall muss es sich bei dem Hofe, auf den sich der Flurname bezieht, um einen Hof von besonderer Bedeutung gehandelt haben.
Die weiteren Hintergründe hat der Ortsheimatpfleger erforscht und in einem Bericht festgehalten. Dieser ist auf der Seite: http://www.veltheim-weser.de/Edelingssitz-in-Veltheim nachzulesen.
Holtkamp (Kamprodung am Walde)
Im Kataster von 1866 vorhanden. Diese Flur besteht heute aus Ackerland und liegt in dem Dreieck Veltheimer Straße/ Ziegeleistraße rechtsseitig der Veltheimer Straße. Damalige Eigentümer Wehmeier 87, Hohmeier 203. Ein großer Teil war früher Wald, noch nach der Verkopplung gab es noch einige größere Waldreste. „Unter’m Holtkamp“ wurde auch der Weg genannt, der am höher gelegenen Holtkamp entlang in den Heidgrund führte.
Hunsewinkel (Im Hunsewinkel)
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Ackerland, zum größten Teil jedoch feuchtes Grünland in der Niederung, welches bei Hochwasser der Weser häufig überschwemmt wurde. Damaliger Eigentümer Pook 7. Das Gebiet liegt südlich direkt hinter der Bahnlinie neben der Straße zu Veltheimer Fähre. Dort bildete sich früher immer ein Teich ()Pooks Teich), der bei Frost immer eine Eisbahn für die Veltheimer Jugend bot. Hunse, ebentuell von Hunt. Hunt war ein altes kleines Flächenmaß (1 Hunt = ¼ Morgen).
Die Lage unmittelbar an der Eschflur „Feld hinterm Dorf“ lässt dann vermuten, dass bei Erweiterungen der Eschflur die Bauern jeweils Anteile von der Größe eines Hunt bekamen.
In der östlichen Spitze der Flur stand früher am Bahnübergang das Bahn- (Schranken)-wärter Haus, daneben gab es viele Jahre noch einen kleinen Luftschutzbunker aus dem 2. Weltkrieg, der in den 60-ziger Jahren entfernt wurde.
Kappenberg – Kappenbarg (Auf dem Kappenberg)
Im Kataster von 1866 vorhanden. Eigentümer damals: Korte 23, Voth 22, Brinkmeier 25. Es handelt sich um die kleine Erhebung vor dem Bruchtal/Holbrede.
Der Name nimmt Bezug auf die Form der Erhebung (Kappe). Heute teilweise bebaut. Der Beginn der Straße Bruchtal führt darüber. Früher gab es die Kappenberger Straße. Das ist die Verbindung von der Friedenseiche zur Veltheimer Straße
Klinke – Up de Klinken (Auf der Klinke)
Im Kataster von 1866 vorhanden. Bei der Klinke handelt es sich um einen Hügel, der an einigen Stellen früher noch Heidekraut aufwies. Am Nordwesthang lag bis um 1934 eine Ziegelei. Gegründet wurde diese Ziegelei etwa um 1890 durch Säger 52. Die große Tonkuhle dieser Ziegelei ist heute wieder Ackerland. Auf der Klinke lagen die „Klinker Kauhbuernstellen“ Mariß 58, Wehmeier 87, Jochmann 31, Ostermeier 51 und Baake 67. Der Name Klinke ist ein in Westfalen und den östlichen Niederlanden vorkommender Name für einen hügeligen Heidegrund, z. T. mit Wasserlachen, Tümpeln und Moorstreifen, eine Erklärung, die für die Veltheimer Klinke zutraf. Ein Pfuhl (Teich) war noch bis vor wenigen Jahrzehnten auf der Klinke vorhanden, der „Patschepaul – Patsche = Enten; Paul = Pfuhl“ Dieser Teich ist heute zugeschüttet.
Klinkerheide: Ackerland am Nordostrand der Klinke
Klinke ist heute auch ein Straßenname
Kohlpott (Kolkpad) – (Pfad am Kolk)
In älteren Flurkarten noch vorhanden – heute nicht mehr bekannt. Der Namen entstellt vermutlich die Bezeichnung Kolkpad – Pfand am Kolk. Kolk = Pfuhl = kleiner Teich. Für die Annahme spricht, dass in Veltheim unter „Kohlpott“ immer nur der Weg verstanden wurde, der durch diese Flur läuft. Volksmund: „Er geht über den Kohlpott“; der Weg führt von der Klinke am früheren Pfuhl „Patschepaul“ vorbei zur Veltheimer Straße (heute Kreuzung b. Gaststätte Buhmeier). Die Flur bezeichnet das Gebiet am Südhang der Klinke. Frühere Eigentümer in der Flur: Buhmeier 144, Kohlenhändler Branahl.
Koppelweg
Nur im Volksmund bekannt, nicht im Kataster v. 1866 verzeichnet. Der Koppelweg führte vom Heckerfeld am Anwesen 77 (früher Seute) vorbei in Richtung Lohfeld. Anlieger Glammeier 32 und Meier 33. Heute wird die Straße nicht mehr so genannt, führt aber weiterhin nach Lohfeld über die kleine Autobahnbrücke.
Kuckuckstraße
Im Volksmund gebräuchlicher Name für einen Weg, der durch ein Gehölz am Südabhang des Kahlen Brinks/Lüchte führte. Heute bezeichnet der Name einen Teil des früheren Weges (Sackgasse – Abzweig von der Ravensberger Str.)
Krötengrund
Im Urmesstischblatt von 1837 bezeichnete Flur in der Mark, nicht weit entfernt vom „Schwarten Paul“ = Feuchtgebiet in der Mark hinter der Autobahn Richtung Lohfeld. Der Name wird heute nicht mehr genutzt.
Kuhkämpe
Diese Flur war noch auf dem Urmesstischblatt von 1837 verzeichnet und lag östlich des Hehler Bruchs, heut schon im ausgebaggerten Teil der Kiesgrube.
Knicke – up’n Knicke (Auf dem Knicke)
Im Volksmund so bekanntes Wiesen- und Ackerland hinter der Brede Nähe Kraftwerk. Knick = bedeutet in Holstein eine Wallhecke, in anderen Gegenden bedeutet Knicke jedoch Abhang. Das trifft hier in Veltheim zu. Damaliger Eigentümer Böke 39.
Langer Grund
Heute auch Straßenname. Lange, schluchtähnliche Schmelzwasserrinne am Westabhang des Bokshornbergs. In dieser Schlucht entstand die Straße „Langer Grund“, die von der Stätte Nr. 141 (Bauer) bis zum Sprengelweg geführt wurde.
Lange Hof – Le’inhof
Im Kataster von 1866 so verzeichnet. Das Flurstück liegt am östlichen Teil des Bruchtals vor dem Hehler Feld. Die dortige Hofstelle (damals Korte 23), heute Huck, wurde allgemein als Le’inhof bezeichnet. Dieses Gehöft wurde dort erst 1860 erbaut, zuvor befand sich die Hofstelle Korte im Alsker, wurde von dort aber wohl wegen der vielen Hochwasser der Weser aufgegeben.
Lehmbreite
Der Name dieser Flur wurde in der Kirchenchronik erwähnt, die Flur lag wohl im oberen Veltheim an der Grenze zu Eisbergen o. Lohfeld. Im Kataster v. 1866 nicht mehr erwähnt, daher nicht genau zu lokalisieren.
Liet – An’ne Liet
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Die Liet ist der steil abfallende Südabhang des Basenbergs. „Liet“ ist ein mittelniederdeutsches Wort für Bergseite, Abhang. „Liet’s“ war früher auch der Beiname einer Familie, deren Wohnstätte an der „Liet“ lag.
Loh – Up’n Lohne (Auf dem Lohne)
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Heute auch Straßenname „Am Lohne“. Das Loh ist ein einzeln liegendes, kleines Gehölz mit einem Gehöft. Eigentümer Körting 26 – in der Früheren Generation Lohnsmeier. Loh ist eine althochdeutsche Bezeichnung für ein kleines Gehölz in sonst gerodetem Feld.
Lüchte – Up den Lüchten (Auf der Leuchten)
Im Kataster von 1866 enthalten. Die Bezeichnung „Lüchte“ stammt wohl von dem Wort „Lichtung“. Es ist der Name der Lichtung auf dem damals 124 Meter hohen Bokshornberg, der dann später durch die Kiesgrube Bokshorn (Franke) abgegraben wurde. Dieser Berg war bis auf die Lichtung auf dem Berg vollständig bewaldet. Im Volksmund gibt es folgende Namensdeutung: Bei den Streitigkeiten zwischen den Lippern und den Veltheimern um das Land an der Weser (siehe auch Strietwerder) wurde auf der Lichtung ein Feuer angezündet um damit die Bischöflichen aus Hausberge zur Hilfe aufzurufen. Darum dann der Name „Lüchte“. Lichtung = Lüchte ist allerdings wahrscheinlicher, da das in Westfalen häufiger vorkommt.
Heutiger Straßenname: Zur Lüchte. Die Straße über den Bergrücken von der Robert-Franke-Straße bis zur Ravensberger Straße.
Masch – In de Mask (In der Masch)
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Diese Flur liegt im großen Weserbogen im unteren Dorf. Es handelte sich früher um hervorragenden Ackerboden. Damalige Eigentümer: Stuke (später Dubiel) 6, Tebbe 21, Tebbe 2, Herm-Meier45, Buhmeier 36, Huck 19. Reste von früheren Weserarmen oder Fltmulden ließen erkennen, dass die Masch im Mittelalter zum großen Teil der Weser abgerungen worden war. Der Boden hatte in der Güte die höchsten Werte.Heute ist die Veltheimer Masch fast ganz ausgekiest und in der Auskiesung ist ein großer Teich entstanden.
Am 14.4.1435 war die Veltheimer Masch der Schauplatz einer großen Schlacht zwischen dem Bischof Wulbrand von Minden und dem Bischof von Osnabrück. Ersterer wurde besiegt und verlor neben 322 toten Soldaten viele Gefangene. Verbündete der Osnabrücker waren die Varenholzer, die Lemgoer und der Graf zu Lippe.
Mark – Velpmer Mark (Veltheimer Mark)
Im Kataster von 1866 enthalten.
Mit „Mark“ werden überall in Norddeutschland die weit vom Dorfkern abgelegenen Grenzbezirke, meist Waldungen, bezeichnet. Im Amt Hausberge habe es früher vier Marken. Die Veltheimer Mark (auch Veltheimer Holz) genannt war der nördliche Bereich, beginnende am heutigen Eichhornweg bis zur Gemeindegrenze.
Die Veltheimer Mark war bis zur Markenteilung ab 1840 gemeinsamer Besitz der Veltheimer Bauern (Markengenossenschaft). Im Rahmen der Markenteilung wurde die dann an 98 Markenberechtigte aus Veltheim und sieben Markenberechtigte aus Lohfeld verteilt. Zudem mussten sechs weitere Interessenten (der königliche Forstfiskus, die Rittergüter Rothenhof und Amorkamp, zu Enken in Holzhausen und das Rittergut Eisbergen, Pfarre und Küsterei zu Veltheim, die Bürgerstätten und Freihöfe in Hausberge und die Kirche zu Hausberge) abgefunden werden. In die kurz vor der Jahrhundertwende (1900) durchgeführte Verkoppelung wurde die Veltheimer Mark nicht mehr mit einbezogen. Die Größe der Veltheimer Mark nach dem Markenteilungsrezess betrug 1591 Morgen.
Die Markenteilung (Separation) und die Verkopplung waren für die damaligen Orte und auch für Veltheim ein wichtiger Baustein in der Entwicklung. Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling hat diesen wichtigen Prozess in einer Ausarbeitung ausführlich beschrieben. Veröffentlicht auf der Webseite:
https://www.veltheim-weser.de/Markenteilung-und-Verkoppelung
Moratz
Im Volksmund so bekannt. Das Wort „Moratz“ ist eine Abwandlung des Worts „Morast“. Der Moratz ist ein besonders feuchter Teil des Bruches (heute Bruchtal). Damaliger Eigentümer: Reese 28. Es handelt sich um das Gebiet zwischen der Straße Bruchtal und Heckerfeld (hinter der Fa. Wöhler-Erdbau).
Mühlenbrink
Nicht im Kataster vorhanden. Nur im Volksmund bekannt. Die 1723 erbaute Bockwindmühle, die bis Mai 1960 auf dem Brink, gab dieser Flur ihren Namen. Damaliger Eigentümer: Karl Stolze. Der Mühlenbrink misst 85,5 Meter über NN und ist ein trigometrischer Punkt. Die Geschichte der Mühle ist vom Ortsheimatpfleger Veltheim aufgearbeitet und auf der Webseite:
https://www.veltheim-weser.de/Veltheimer-Muehlengeschichten/
nachzulesen.
Mühlerfeld
Nur im Volksmund bekannt. Das Mühlerfeld westlich vom Mühlenbrink gehört schon zu den auf Lohfelder Gebiet liegenden Mühlenhöfen. Diese beiden großen Höfe betrieben dort auch eine Wassermühle. Eigentümer damals: Hohmeier 7 und Hohmeier 6.
Mühen – Up’n Mühen (Auf den Mühen)
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Diese Flur liegt zwischen der Masch und der Weser hinter der Fährstelle. Wiesen - und Ackerland. Damalige Eigentümer Stuke 6 und Huck 19.
Osterbieke - Osterbeeke (Osterbach)
Nur im Volksmund so bezeichnet. „Beeke“ mundartlicher Ausdruck für Bach. Die Osterbieke entspringt im Moratz und im Bruch, fließt durch das Hehlerbruch und mündet in die Weser. Der Volksmund berichtete, dass am Ostermorgen vor Sonnenaufgang aus diesem Bach geschöpftes Wasser und schweigend nach Hause getragenes Wasser die Fähigkeit haben soll, alle Krankheiten zu heilen. An diesem Brauch wurde in Veltheim lange festgehalten. Man gebrauchte das „Osterwasser“ besonders gegen Augenentzündungen.
Patschpaul – Patschepaul (Entenpfuhl)
Im Volksmund so bekannt. Siehe bei Klinke. Der Patschepaul (Entenpfuhl = Patsche= Ente oder Frosch; Pfuhl = kleiner Teich) war früher ein kliener, flacher Teich auf der Klinke. Dieser ist seit vielen Jahren trockengelegt. Damaliger Eigentümer des Geländes war Zimmermeister Friedrich Mevert. Es war der gleiche Teich oder Kolk, an dem auch der Kolkpad entlangführte (siehe auch Kohlpott).
Papens Diek – Poppen Diek (Papes Teich)
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Früher ein kleiner Teich unweit des Bokshornabhangs, heute eine Weide. Teich des Pape b. Tellermann 22; Späterer Eigentümer Schneckener 40, Den Teil des unteren Dorfes nannte der Volksmund „Poppen Diek“.
Pflugweg – Plaugwag
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Heute Straßenbezeichnung. Ein Pflugweg ist ein schmaler, nicht befestigter Weg in der Feldmark, ein Weg, auf dem die Pflüge wendeten. Der Name dient auch als Gattungsbegriff; Pflugweg = Feldweg. In dieser Eigenschaft ist er zum Teil auch in anderen Dörfern vorhanden. Es ist heute die Straße vom Sprengelweg in Richtung Schierholz (Möllbergen).
Päule – Schwarte Päule (Schwarze Pfühle)
Im Volksmund so bekannt. Die „Schwarten Päule“ waren bzw. sind kleine Sumpflöcher (mit schwarzem Moorwasser gefüllt) in der früheren Mark (Waldheidegebiet). Damaliger Eigentümer: Glammeier 32. Der benachbarte Hügel hieß „Schwarte Pauls Brink“.
Piwitt (Im Piwitt)
Im Volksmund so bekannt. Piwitt = Brutstätte der Kiebitze. Ackerland und feuchte Wiese am Rande des Heidgrund nimmt Bezug wie manch anderer Flurname auf die Tierwelt des betroffenen Gebietes. Auch im Lipperland häufig vorkommender Flurname.
Poggenmasch
Pogge = Frosch. Die Poggenmasch ist der Teil der Masch, der vor den Deichen lag. Aus den feuchten Maschwiesen ertönte am Abend das Konzert der Poggen (Frösche).
Rahe, auch Brahe, Bahe - Up’n Roan (Auf dem Rahe)
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Rahe = gerodete Flächen (Ackerland mit einigen Waldresten). Damalige Eigentümer: Evert 27, Ehlebracht 10, Voth 16. Dieser Flurname erinnert besonders in der plattdeutschen Form an die Rodung. Der Flurname kommt auch im Lipperland häufig vor.
Reimenstein – Up’n Reimenstein - Auf dem Reimenstein
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Diese Flur besteht aus Acker- und Ödland und bildet die Grenze zu Eisbergen und Lohfeld. Damaliger Eigentümer: Siemonsmeier 14
Reye – Up de Ri’e – Auf der Reye
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Diese Flur besteht aus Ackerland, gelegen zwischen Heuweg und Weser. Damaliger Eigentümer: Pook 7
Rott – Dat ole Rott – Auf dem Rott
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Diese Flur besteht aus Wiese und Acker, gelegen am Westabhang des Bokshorn.
Sauerteigsbach
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Dieser Bach bildet die Grenze gegen die Gemeinde Eisbergen östlich der Mühle im Hehler Feld und mündet in die Weser.
Schlingbrede – Schlingbrein
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Die Flur liegt zwischen Lohne und Weser. Im Volksmund wurde dieser Flurname wie folgt gedeutet: Aus dem nahen „Loh“ kamen in den wildreichen Zeiten Rehe und Hirsche zur Tränkestelle am Mühlenbach. Veltheimer legten gern in der Nähe Wildschlingen aus. Diese Wilderei mit Schlingen soll noch bis nach dem Ende des 2. Weltkriegs betrieben worden sein. Eine weitere Deutung: Eine sprachliche Verwandschaft zwischen Schlingen und Schlangen. Unterhalb des Loh war ein Vorkommen von Schlangen durchaus denkbar. Damaliger Eigentümer: Körting 26
Schliekamp
Im Volksmund für diese Holzung und Viehweide so gebräuchlich. Diese Flur liegt südlich vom Loh an einem Steilhang zwischen Loh und Schlingbrede. Damalige Eigentümer: Körting 26, Siemonsmeier 3.
Schweineweide – Schwändeil
In der Kirchenchronik von Niemann so erwähnt. Die Lage ist nicht mehr bekannt, Gemeinsame Schweineweiden in der Mark, auf denen der „Schwän“ die Schweine hütete, gab es in den meisten Dörfern. Der Beiname „Schwäns“ für Krüger 92 erinnert noch an das Amt des Schweinehirten. Der letzte Veltheimer Schweinehirt war ein Todeskino.
Sieben Eichen – Siebeneiken
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Der Volkskundler Fritz Neuhaus beschrieb die Bedeutung wie folgt: „Siebeneiken heißt ein Ortsteil im oberen Veltheims an der Kreisstraße Veltheim-Hausberge, etwa von Voth 84 bis Jochmann 131. Von dem Gogericht „Sieben Eyken“, dessen Grenzprotokoll aus dem Jahre 1562 uns erhalten ist, kann mit Sicherheit angenommen werden, daß es hier früher Femgerichte gehalten wurden.“
Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling hat die Historie dazu ausgearbeitet:
„Das Gogericht „vor den Sieben Eichen“ in Veltheim an der Weser
„Sieben Eichen“, eine alte Flurbezeichnung in Veltheim, heute der Name einer Straße in der Flur. Von alten Veltheimern wurde das Gebiet oft als Ortsteil bezeichnet. Die Veltheimer „Sieben Eichen“ hatten in früherer Zeit vor allem im Rechtswesen eine besondere Bedeutung. Das „Gogericht Vor den Sieben Eichen“ ist wohl aus einem der alten Volksgerichte vor der Christianisierung der Sachsen hervorgegangen. Die Versammlung der Volksgerichte, der „Thing“ trat am „Thingplatz“ unter freiem Himmel öffentlich zusammen. Der „Thingplatz“ war gewöhnlich ein weithin sichtbarer Platz unter heiligen Bäumen, an Bächen und Flüssen, an einem Born oder auf einem Hügel. Der „Thing“ war in seinen Entscheidungen unabhängig; Urteile mussten mit Zustimmung aller „Thingleute“ gefällt werden.
Mit Einführung der fränkischen Gerichtsverfassung durch Karl den Großen trat an die Stelle der Gerichtsgemeinde allmählich ein Beirat von sieben oder mehr Bürgern, die das Urteil finden und das Recht schöpfen mussten (daher der Begriff Schöffen). Den Vorsitz führte der Graf. Diese Grafengerichte waren für die schwereren Rechtsfälle zuständig. Leichtere Verfehlungen und Frevel wurden vor dem Gogericht (Go =Gau) verhandelt. Richter waren die von den Bauern gewählten Gografen.
Die alten Volksgerichte verloren ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit mit der weiteren Ausbildung der Territorialherrschaft der Edelherren vom Berge auf der Schalksburg. Diese zogen allmählich die Gerichtsbarkeit an sich. In der Edelherrschaft zum Berge bestanden im 14. Jahrhundert zwei Gogerichte: Das Gogericht Frille, das später auf das dritte Joch der Weserbrücke zu Minden verlegt wurde, und das Gericht „Vor den Sieben Eichen“ in Veltheim.
Nach dem Aussterben der Edlen Herren vom Berge kam die Herrschaft zum Berge 1398 durch Erbschaft an das Domkapitel zu Minden. Die beiden Gogerichte sanken unter den Mindener Bischöfen immer mehr zu Gerichten der niederen Gerichtsbarkeit herab. Sie konnten im Wesentlichen nur Brüchten (Strafgelder) verhängen. Die schweren Fälle wurden dem Drosten oder Amtmann in Hausberge übertragen. 1562 gab es für die beiden Gogerichte nur noch einen Gografen.
Von Grenzstreitigkeiten zwischen dem Mindener Bischof und den Grafen zu Schaumburg im 16. Jahrhundert war auch das Gogericht „Sieben Eichen“ betroffen. Umstritten war vor allem die Zugehörigkeit des nach Eisbergen eingepfarrten Gutes Dankersen und des Dorfes Todenmann. Die Schaumburger hatten nämlich ihren Herrschaftsbereich auf die östlich des Fülmer Schnadbachs (Schnad = Grenze) gelegenen Gebiete ausgeweitet und behielten diese trotz aller Mindener Proteste.
Auf Veranlassung des Mindener Bischofs umriss das Gogericht „Sieben Eichen“ in einem Grenzprotokoll seinen Zuständigkeitsbereich, um die Mindener Ansprüche auf das umstrittene Gebiet zu untermauern. Folgende Männer verfassten das Protokoll am 22. Juni 1562:
Erich Dux, Droste zu Hausberge; Johann von Halle, Amtmann zu Hausberge; Johann Vincke, Gograf und Richter; Johann Krite (Kreide), Amtsvogt zu Hausberge; und zwei thingberechtigte Männer: Barthold Vogt und Arndt Diestelhorst.
Der wichtigste Teil des Grenzprotokolls wird hier im Wortlaut zitiert:
„Gogericht zu den Sieben Eychen von wegen meines gnädigsten Fürsten und Hern von Minden. Mantags, den 22. Juny anno 1562 gehalten.
Durch meines gnädigsten Fürsten und Hern Achtsman Hansen Drosten nach gespannem Gerichte gefraget, wo widt sich diß Gericht erstreike unnd wer demselben zu folgen schuldich sein.
Ingebracht Berendt Deiterdinck zu Rechte, uf dem Hove zu Nortem (1) an, an den midtlen Graven vor Rinteln, den mittlen Strom in der Weser, den Hof zu Dankersen, Vuelme, Eißbergen, olden Eißbergen (2), Helen (3), Veltem, Borlewessen (4) Molbergen, Ufflen, in den Hoven zu Hilverdinckkausen, Hempinckhausen, Nu die Wulffhagen (5) Holtorpffe (6), Vordessen (7), Venenbecke, Holdthaußen, in den Hagen zu Varenholtz (8), Loveldt, Apenhausen (9), Nammen und die Egge der Berges endtlanck biß wider an die Hove zu Norden.
Weiter ingebracht Joist Droste vor Recht, die Hochheit in diesem Gerichte gebur meinem genädigsten Fürsten und Hern von Minden, derselben Ambte zu Haus Berge und haben dainne zustraffen alles was straffens werdt sei, und das von wegen der Hocheit gefunden:……………….“
Dann folgen in dem Protokoll einige Fälle von Ausübung der Gerichtbarkeit an der Grenze gegen Schaumburg, die beweisen sollen, dass die Hoheit des Amtes Hausberge bis zum „Mittleren Graben vor Rinteln“ reicht.
Erläuterungen:
(1) Nortem = Northeim= wüst gefallenes Dorf nördlich von Rinteln, vermutlich an der Stelle der Siedlung „Auf der Höhe“; hatte mindestens zwei Meier (größere Höfe), die vor den „Sieben Eichen“ zu Gericht gingen. Um 1450 schon wüst (aufgegeben).
(2) Olden Eißbergen = das frühere Westereisbergen am Eisberger Mühlenbach, damals schon wüst. In Westereisbergen lag ursprünglich auch das Gut Eisbergen.
(3) Helen = Bauerschaft Helen (Hehlen), in Veltheim aufgegangen; wird erwähnt, weil die Gemarkung zum Gogericht „Sieben Eichen“ gehörte.
(4) Borlewessen = Borlefzen, am Südhang des Buhns.
(5) Hilverdinckhausen, Hempinckhausen, Wulfhagen = Wüstungen zwischen Uffeln und Holtrup
(6) Holtorpffe = Holtrup
(7) Vordessen = Voessen, zu Holtrup gehörende Bauernschaft.
(8) In den Hagen zu Varenholtz = auch bezeichnet: „in den Hagen vornholte“ = zwischen Veltheimer Holz und Hausberge, heutiges Tielosen
(9) Apenhausen = Ahmserort
Alle Vorstellungen und Verhandlungen des Amtes Hausberge und der Mindener blieben erfolglos, der Schnadbach in Fülme blieb die Grenze zwischen dem Bistum Munden und der Grafschaft Schaumburg.
Strittig war auch die Zugehörigkeit der südlich der Weser gelegenen Teile der Eisberger Gemarkung. Auch hier behaupteten die Schaumburger Hoheitsrechte, die erst im 19. Jahrhundert von Hessen an Preußen abgetreten wurden. Für die Eisberger hatte das der preußischen Landeshoheit und Rechtsprechung entzogene Gebiet „über der Weser“ eine besondere Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entzogen sich die jungen Männer dem Zugriff der rücksichtslosen Werber und Häscher des preußischen Militärs, indem sie sich in den Schutzhütten südlich der Weser so lange verborgen hielten bis die Luft wieder rein war.
Es gab noch eine weitere Eisberger Besonderheit. Seit 1749 hatte der Gutsherr von Eisbergen die „Civil- und Unterjurisdiction“ für seine Eigenbehörigen. Wahrscheinlich hatte er die niedere Gerichtsbarkeit vom Amt Hausberge gleichzeitig mit dem Kauf oder kurz nach dem Kauf des Ritterguts erworben. Als Ausgleich für die anfallenden Strafgelder musste er jährlich eine bestimmte Summe in die Amtskasse zahlen.
Zu dem Zeitpunkt gab es das Gogericht „Sieben Eichen“ schon nicht mehr. Es endete wohl mit dem Ende des dreißigjährigen Krieges. Der letzte namentlich bekannte Gograf und Richter war der im Grenzprotokoll genannte Johann Vincke.
Über den genauen Platz des damaligen Gogerichts in Veltheim gibt es unterschiedliche Auffassungen. Im Sprachgebrauch wurde der Bereich an der Veltheimer Straße von der Schule bis zum Heckerfeld genannt. Der frühere Veltheimer Pastor und Heimatforscher Ernst Niemann vermutete die „Sieben Eichen“ auf der Anhöhe zwischen der Schule Veltheim II und Homeier Nr. 86 (heute Veltheimer Straße 280). Der als Heimatforscher bekannte Lehrer Mohme (Schule Veltheim II) vermutete den Platz weiter nördlich am Feldweg zwischen Sprengelweg und Sieben Eichen in Höhe „Buschmanns Hof“. Dort gab es auch noch im 20. Jahrhundert einen Bestand an Eichenbäumen.
Quellen:
Reese, Hans; Aufsatz; März 1991
Blotevogel, Heinrich; Studien zur territorialen Entwicklung des ehemaligen Fürstentum Minden; 1939; Selbstverlag
Wiegmann, W; Heimatkunde des Fürstentums Schaumburg-Lippe; Stadthagen 1912; 1990 Hameln.“
Sprengel – Am Sprengel – Sprengelweg
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Das Urmesstischblatt von 1837 verzeichnet auf der Westseite des Bokshornrückens ein Wald- und Buschgebiet „Am Sprengel“, schon überwiegend auf Möllberger Gemarkung. Für die Deutung des Namens Sprengelweg gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Der Sprengelweg wurde so genannt, weil er mit seinem mittleren Teil am Sprengel entlangführte. Sprengel – Sprinkel – Springel bedeutet eine Wald- und Buschlandschaft mit eingesprenkelten gerodeten Flächen. Sprengel kann sich auch auf die hier mit kleinen Erhebungen durch setzte, unruhig gestaltete Landschaftsform beziehen.
2. Die landläufige Erklärung des Namens Sprengelweg: Er war früher die Hauptverbindungsstraße nach Hausberge, dem Sitz der Verwaltung des Bezirks (Sprengel).
Im Volksmund kursierte folgende Geschichte (wurde auch im Heimatkundeunterricht in der Volksschule so verbreitet): Wenn es wieder einmal Streitigkeiten mit den Lippern an der „Werder Schlagd“ (dazu siehe Bericht zur Schlagd“, zündeten die Veltheimer auf dem Bokshornberg ein Feuer an (Lüchte), um damit die Ritter von der Schalksburg in Hausberge zu alarmieren. Diese kamen sodann mit ihren Pferden auf dem Sprengelweg angesprengt, um den Veltheimern zur Seite zu stehen. Daher der Name Sprengelweg.
Die Deutung unter Ziffer 1 beschrieben ist aber wohl die zutreffende Erläuterung.
Vor dem Ausbau der heutigen Landesstraße „Veltheimer Straße“ war der Sprengelweg die Hauptverbindung zum Hausberger Amt. Diese wurde auch durch den Bau der Autobahn unterbrochen, weil zunächst keine Brücke über die A2 gebaut wurde.
Dazu folgende Erläuterung:
Sprengelweg-Brücke
Am 7. Dezember 1965 war es endlich so weit: Die neue Brücke über die Autobahn A 2, die den unterbrochenen Sprengelweg wieder vereinte, wurde eingeweiht. Damit wurde ein Bauvorhaben abgeschlossen, das bereits 1937 von den zuständigen Stellen genehmigt, aber infolge der Kriegswirren in Vergessenheit geraten war. Jahrhundertelang war der Sprengelweg eine alte Heerstraße von Minden in das Lipperland. Diese Straße war nur notdürftig ausgebaut und wurde 1936/37 beim Bau der Autobahn unterbrochen.
Die Gemeinde Veltheim hatte damals sofort entsprechende Anträge für eine Brückenverbindung gestellt, und die Planung dafür begann auch sofort.
Ein Jahr später gab es einen neuen Plan, und da war keine Brücke mehr vorgesehen. Dagegen legte die Gemeinde Veltheim Einspruch ein. In den Kriegswirren geriet das Vorhaben in Vergessenheit und erst 1956 gab es ein neues Planfeststellungsverfahren, in dem die Brücke erneut nicht vorgesehen war. Dagegen legten die Gemeinde und 45 Veltheimer Bürger Einspruch ein, sie kamen damit jedoch nicht weiter.
Nachdem die Gemeinde Veltheim eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht hatte, ging es sehr schnell. 1963 wurden Vergleichsverhandlungen mit dem Land NRW geführt, die Klage wurde zurückgenommen und am 1. April 1965 war schließlich Baubeginn.
Kostenaufteilung: Bund 160.000 DM; Land NRW 100.000 DM und Gemeinde Veltheim sowie Kreis Minden je 50.000 DM. Die 100 Meter lange und fünf Meter breite Brücke hat eine Tragfähigkeit von 16 Tonnen und ist ein Verbundbau zwischen Stahl und Beton.
Es sei angemerkt, dass der Brückenbau 20.000 DM unter den veranschlagten Kosten blieb. Dieser Umstand wurde bei der Frei- und Übergabe des neuen Bauwerkes lobend erwähnt. Besonders die Veltheimer Land- und Forstwirte waren glücklich über die wiederhergestellte Verbindung. Der erste offizielle Nutzer nach Eröffnung war daher auch ein Veltheimer Landwirt, nämlich Korffs Fritz mit seinem Trecker. 2016 erfolgte eine Komplettrenovierung des Brückenbauwerks.
Strietwerder – Strietwerder Anger – Werder Schlagd
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Diese Flur an der Weser besteht aus Ackerland, Wiesen und Weiden. „Strietwerder“ bedeutet „umstrittenes Werder (Insel zwischen Flussarmen der Weser). Der Name erinnert an den 105-jährigen Streit zwischen Varenholz und Veltheim um die Grenze an der Weser, mit dem auch die lippische Regierung und die bzw. preußische Kriegs- und Domänenkammer in Minden befasst war. Bei den Streitigkeiten versuchten beide Seiten durch den Bau von Stauwehren, den Hauptarm der Weser umzuleiten und die eigenen Ufer durch Anlage von Schlagden (Uferbefestigungen) zu sichern. Damit sollte neues Land gewonnen werden. Der Name Strietwerder wird schon 1415 in einer Urkunde erwähnt. Die „Alte Weser“, ein Wasserlauf unterhalb des Schlosses Varenholz, ist wahrscheinlich der frühere Hauptstromarm gewesen. Der Verlauf der Mäanderbögen bekräftigt dieses.
Steinbrink – Scherbenfeld
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Die Bezeichnung „Scherbenfeld“ ist nur im Volksmund bekannt. Diese Flur besteht aus Ackerland zwischen Heuweg und Weser hinter der „Werder Schlagd“, Damaliger Eigentümer Tellermann 12.
Steine und Scherbenfunde, die beim Pflügen gemacht wurden, führten zur Untersuchung des Geländes. Archäologen sind sicher, dass es sich auf dem Gebiet um Siedlungsplätze aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. handelte.
Südfeld – Südfäle - Südenbucht
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Ackerland und Wiesen unterhalb des Hehler Feldes an der Weser. „Süden“ bezieht sich hier nicht auf die Himmelsrichtung, sondern auf die geringe Tiefe der Weser an dieser Stelle. Südenbucht kommt hier von „Siedenbucht“, Sied ist plattdeutsch flach, nicht tief. Das Südfeld (Siedfeld) ist eine große Flur an der Südenbucht.
Specke – Die Specke
Dieser Name wird im Wegebaubericht von 1839 erwähnt. Dort heißt es: „…….in die Driftenstraße von die Specke nach dem Gemeinde-Anger“. Specke bedeutet: ein etwas vom Dorf abgelegener Platz oder Wohnbereich. Dieser Platz liegt an der Kreuzung Heuweg/Driftenstraße.
Tarternbrink
Dieser Bereich im Bereich der Veltheimer Mark (das Gebiet hinter der Autobahn links hinter der Brücke der Veltheimer Straße – heute stillgelegter Teil einer Sandgrube) wurde im Volksmund als Tarternbrink bezeichnet. Damaliger Eigetümer: Büsing. Tatern ist die mundartliche Bezeichnung für Tartaren bzw. Zigeuner, auch als fahrendes Volk bezeichnet. Am Tarternbrink haben diese Menschen früher häufig gelagert.
Tollschlagd
Das Weserufer im südlichen Bereich der Masch wurde im Volksmund so bezeichnet. Das Gebiet liegt links neben der Fährstelle und zieht sich am Weserufer entlang. Toll bedeutet „Grenzzoll“ und Schlagd ist die Uferbefestigung.
Hier soll früher lebhafter Schmuggel über wie Weser hnweg betrieben worden sein. Die Weser bildete die Grenze zwischen den Fürstentum Lippe und dem seit 1648 kurbrandenburgischen Fürstbistum Minden. Auch die Grenze zum ehemals hessischen Teil der Grafschaft Schaumburg war nur ca, 500 Meter entfernt. Da die Tollschlagd weitab von den Orten liegt, war dieser Bereich der gegebene Platz für die Schmuggelwaren. Besonders Fässer mit Schnaps sollen mit der Strömung von einem an das andere Ufer gelenkt worden sein.
Trotzenburg
Im Volksmund wurde der Bereich mit meist kleineren Gehöften auf dem hier steilabfallenden Südwestabhang der Lüchte (zwischen dem südlichen Teil der Straße „Zur Lüchte“ und dem „Weserblick“ so bezeichnet. Durch Bodenfunde ist belegt, dass sich hier während der römischen Kaiserzeit (2. bis 3. Jahrhundert n. Chr.) ein Siedlungsplatz befunden hat. Nicht weit davon gab es ein Gräberfeld mit Funden aus der gleichen Zeit. Der Volksmund will auch von einem größeren Adelshof an die dieser Stelle wissen. Die exponierte Lage der Trotzenburg lässt den Sitz (die Burg) eines germanischen Edelings als denkbar erscheinen.
Voßbrink – Vossbrink – Fuchshügel - Fuchshöhe
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Von Wald umgebendes Ackerland, einige Kotten. Damalige Eigentümer: Waltemade 91, Buschmann 160, Allbersmeier. Mit Voßbrink werden oft weitab vom Dorf gelegene Hügel bezeichnet. Hügel, auf denen „sich die Füchse gute Nacht sagen“. Viele Dörfer im Wesertal haben ihren „Voßbrink“, der Flurname ist in ganz Niederdeutschland weit verbreitet. Heute ist der Brink schon z. T. durch den Betrieb Sand-Müller abgegraben, die Kotten sind nicht mehr vorhanden.
Wand – Up de langen Wand - Auf der langen Wand
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Damaliger Eigentümer: Freding 34. Bei der Flur handelt es sich um Ackerland südlich der Bult vor der Masch. Wand bedeutet gleich Wende, dort wo beim Pflügen gewendet wurde. Dieser Flurname nimmt Bezug auf die bis zur Verkoppelung besondere Form des Ackers.
Wehme – Up’n Wehme – Auf dem Wehdum
Im Volksmund so bekannt und eine Bezeichnung für das Pfarrgrundstück. Nach der Kirchenchronik, war das Grundstück am Heuweg, wo lange Jahre das alte Pfarrhaus stand, von jeher im Besitz der Kirche gewesen. Es wurde früher jeweils der Pfarrwitwe zur Nutzung überlassen. Wehdum ist also wohl eine ältere Form von Wittum, Wehme eine mundartliche Form dazu. Die Redewendung: „Ik gah nah’nWehme“ (Ich gehe zum Pfarrhaus) war früher bei den Konfirmanden und Katechumenen gebräuchlich.
Wiebehowe
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Ein Flurstück bestehend aus Acker und Wald liegend an der Grenze zu Hausberge und nur zu einem kleinen Teil auf der Veltheimer Gemarkung. „Wiebe“ bedeutet altsächsisch „Hagebutte“. „Wiebehobe“ bedeutet „Hagenbuttenhaube“ nach der Gestalt der Landschaft.
Zwelle – Up’e Twielen
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Ackerland zwischen Steinbrink und Schlingbrede, heutiges Kraftwerksgelände. Damalige Eigentümer: Pahl 9, Tellermann 12. Eine Zwelle, Twelle oder Twiele ist ein gabelförmiges Stück Land. Eine „Nase“ des Möllberger Gebietes sprang an dieser Stelle in die Veltheimer Gemarkung.
Zuschlag – Up’n Tauschlage
Im Kataster von 1866 verzeichnet. Eine Flur überwiegend in der Möllberger Gemarkung an der westlichen Grenze von Veltheim (kleine Teile noch auf Veltheimer Gebiet – im Gebiet „Kreckenhof“. Dieser in vielen Dörfern anzutreffende Flurname erinnert an eine agrarpolitische Maßnahme der preußischen Regierung während des 17. Jahrhunderts. Die Regierung war damals sehr auf die Vergrößerung der Ackernahrung kleineres Bauernstellen bedacht. Wenn der Wille zur Kultivierung von Wald oder Ödland bestand, wurden aus dem Besitz von Markengenossenschaften oder staatlichen Forsten sogenannte Zuschläge gegeben. Da diese Zuschläge steuerlich günstiger behandelt wurden, waren sie auf Katasterkarten immer besonders gekennzeichnet. Die steuerliche Bezeichnung „Zuschlag“ wurde nach und nach zum Flurnamen „Tauschlag“.
Flurbezeichnungen, die nicht mehr existieren
Aus der Kirchenchronik und durch Überlieferung der Altvorderen sind noch Flurnamen bekannt, die allerdings nicht mehr einer Flur zuzuordnen sind bzw. auch nicht mehr zu deuten sind. Diese wurden allerdings in früheren Zeiten genutzt. Der Vollständigkeit wegen werden sie in dieser Ausarbeitung mit aufgeführt.
Auf dem Genackernschen
Am lagen Kampe
Beerenkamp
Das kurze Land
Dornbusch
Fuhrenstücke
Galgenplacken
Harthekel
In den Hävern
Heuhenwinkel
Holbrein
Im Hüttenkamp
Querland
Im Siebenstück
Straßen und Wegenamen
Etliche Straßen und Wegenamen sind schon bei den einzelnen Fluren mit erläutert, besonders dann, wenn der Name der Straße direkt von der Flurbezeichnung abgeleitet wurde. Diese Straßen und Wege werden deshalb hier nicht mit aufgeführt. Zu beachten ist auch, dass es bis 1963 innerorts nur sehr wenige Straßenbezeichnungen gab. Die Stätten wurden nach einer aufsteigenden Nummernfolge kenntlich gemacht. Allerdings hatten überörtliche und markante Straßen und Wege oft schon einen Namen.
Fährweg
Der alte Fährweg führte bis 1890 nahe an der Weser entlang und bezeichnete die Strecke von der damaligen Dorfstraße bis zur Fähre. Der nördliche Teil der heutigen Straße „Zur Veltheimer Fähre“ wurde „Gosebeuken“ (Deutung bei der Flur Gosebeuken) genannt.
Meierstraße – Meierhofststraße – Mahrstraße
Die Meierstraße war der Abzweig hinter der Kirche zum „Meierhof 5“, Die heutige Bezeichnung ist Mahrstraße.
Mittelweg
Der mittlere Weg durch das Hehler Feld (zwischen der heutigen Ravensberger Straße und der Straße Bruchtal (heute ein ausgebauter Fahrradweg - Teil des Weserradweges) war die Verbindung nach Eisbergen und hieß Mittelweg.
Mühlenweg
Das war der Weg vom Bruch bis zur Bockmühle auf dem Mühlenbrink. Auf der Flurkarte von 1828 vom Hof Reese 28 bis zur Bockmühle auch als „Hartstraße“ bezeichnet. Eine Deutung dieses Namens ist nicht bekannt.
Speckenweg
Der Speckenweg führte von der Klinke zum früheren Mühlenweg. Specke bedeutet „abseits liegender Platz“. Speckenweg entsprechend.
Sprengelweg
Bis zur Verkoppelung war dieser Weg die wichtigste Verbindung zwischen Veltheim und Hausberge, wo er in die Hoppenstraße mündete. Geführt auf dem Höhenrücken war er der einzige Weg, auf dem man trockenen Fußes nach Hausberge kam, da die anderen Markenwege meistens durch Feuchtgebiete führten und kleine Wasserläufe durchquerten. Der Sprengelweg konnte auch mit Fuhrwerken genutzt werden.
Südfelder Straße
Die Straße von der Bult am Südfeld entlang bis zur heutigen Ravensberger Straße. Heute Teil der Driftenstraße.
Tiefer Weg (Im Deipen Weg) – auch Kirchweg genannt
Der südliche Teil der heutigen Robert-Franke-Straße am Steilhang des Bokshorns wurde so genannt.
Markenwege
Die Markenwege hatten keine Namen, sondern waren oft nur Fahrspuren in der Veltheimer Mark, waren schmal und nicht oder nur schlecht befestigt. Die Fahrspuren wurden hin und wieder mit „Grand“ ausgefüllt und geebnet. Kleine Wasserläufe wurden erst beim Ausbau dieser Wege nach der Markenteilung 1840 überbrückt.
Minder Platz
Dieser Platz lag etwa bei der heutigen Kreuzung der Veltheimer Straße mit dem Eichhornweg und der Klinke. Bis zur Markenteilung 1840 war dieser Platz ein wichtiges Wegekreuz am Südrand der Mark. Von dort aus führen Wege über Sieben Eichen ins Dorf, nach Norden der Minder Weg durch die Mark über Tielosen nach Hausberge, nach Osten zur Klinke, von dort aus weiter nach Lohfeld und nach Westen über den Sprengelweg und Pflugweg nach dem Schierholz in Möllbergen.
Minder Weg – Mindener Weg
Dieser Weg führte vom Minder Platz durch die Mark über Tielosen nach Hausberge und weiter nach Minden. Der Weg wurde bei der Verkoppelung 1890 auf eine Breite von rd. zehn Metern gebracht und löste nach seinem Ausbau allmählich den Sprengelweg als Hauptverbindung nach Hausberge ab. Heute ist der frühere Weg die Veltheimer Straße.
Neuhauweg – auch Mittlerer Weg genannt
Der Weg wurde benannt nach der Flur „Neuer Haugrund“ und verlief in etwa wie die heutige Straße „Fuchshöhe“. In eine Akte des Amtes Hausberge tauchte auch der Name „Mittlerer Weg“ auf, der Weg zwischen Minder Weg und Sprengelweg.